Franchising als Mischsystem: Die Bestimmung des optimalen Anteils der franchisenehmerbe-triebenen Einheiten am Gesamtsystem
Thorsten Posselt/Thomas Bürkle
Die meisten Franchisesysteme verfügen über franchisenehmereigene und franchisegebereigene Einheiten (letztere entsprechen Niederlassungen). Dies ist zunächst überraschend, weil entweder die vom Franchisenehmer oder die vom Franchisegeber geführten Einheiten effizienter sein müssten. Man sollte daher reine Systeme, nicht aber Mischsysteme erwarten. Wir untersuchen zunächst verschiedene Erklärungen für die Existenz von Mischsystemen, die allerdings keinen Hinweis auf die optimale Mischung von franchisenehmer- und franchisegebergeführten Einheiten geben. Darauf aufbauend entwickeln wir dann ein Modell zur optimalen Risikoallokation aus Sicht des Franchisegebers, welches die optimale Mischung in Systemen erklärt. Der optimale Anteil an Franchisenehmern an der Gesamtzahl der Systemeinheiten hängt ab von den Risikokosten des Franchisegebers und von seinen Kontrollkosten. Wir zeigen, dass der Anreiz für Franchisegeber, weitere Einheiten an Franchisenehmer zu vergeben und nicht selbst zu führen, mit zunehmendem Anteil der Franchisenehmer und mit rückläufigen Kontrollkosten abnimmt.
S. 150-168
Effizienz, Anreizgestaltung und Implementie-rung von Prozessinnovationen: Eine empirische Untersuchung anhand des Desktop-Purchasing
Thomas Ehrmann/Florian Haas
Die institutionenökonomische Hauptthese, dass die Zuordnung der relevanten, intangiblen Wissensbestandteile zu den Entscheidungsrechten wichtig für die effiziente Implementierung von Innovationen ist, wurde empirisch untersucht. Mit einem Datensatz deutscher Unternehmen wurde dabei die effiziente Implementierung von Prozessinnovationen am Beispiel Desktop-Purchasing analysiert. Durch die Nutzung der Data Envelopment Analyse konnten Größen mit unterschiedlichen Maßeinheiten einbezogen werden, was methodisch einen ganzheitlichen Fokus auf die Prozessinnovation ermöglichte.
S. 169-187
Vom Nutzen zusätzlicher Information auf Märkten mit unterschiedlich informierten Händ-lern – Eine experimentelle Studie
Jürgen Huber/Michael Kirchler/Matthias Sutter
In diesem Aufsatz berichten wir die Ergebnisse eines ökonomischen Experiments, in dem der Nutzen zusätzlicher Information für die Gewinne beim Handeln auf Finanzmärkten mit zwei unterschiedlichen Preisbildungsmechanismen untersucht wird. Die Methode der experimentellen Ökonomik erlaubt eine kontrollierte Variation des Informationsniveaus einzelner Händler. Unabhängig vom Preisbildungsmechanismus zeigt sich, dass zusätzliche In-formation lediglich bei relativ hohem Informationsniveau einen signifikant positiven Nutzen hat. Bei relativ geringem Informationsniveau hingegen hat zusätzliche Information keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die Handelsgewinne.
S. 188-211
Selektionseffekte und Vermittlungserfolge privater Arbeitsvermittlung
Christian Grund
Vor nunmehr 10 Jahren wurde das Vermittlungsmonopol der Bundesagentur für Arbeit abgeschafft. Seitdem ist die Vermittlung von Arbeitnehmern an Unternehmen auch für private Agenturen möglich. In diesem Beitrag werden auf Grundlage such- und signaltheoretischer Überlegungen mögliche Selektionseffekte durch private Arbeitsvermittler und deren Vermittlungserfolg im Vergleich zur Bundesagentur für Arbeit empirisch untersucht. Es zeigt sich, dass Selektionseffekte in der Form Relevanz besitzen, dass sich sowohl die vermittelten Personen als auch die Jobs deutlich voneinander unterscheiden. Selbst unter Kontrolle etlicher personen- und jobspezifischer Merkmale sind positive Vermittlungsdifferentiale in Form höherer Löhne bei Vermittlungen über private Agenturen zu beobachten. Die entsprechenden Personen verfügten aber auch bereits auf ihrer letzten Arbeitstelle über höhere Löhne.
S. 212-234
Eine empirische Untersuchung zur Veräußerung von Konzernteilen an Private-Equity-Investoren
Arbeitskreis „Finanzierung“ der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V.
Der vorliegende Beitrag analysiert die Ausgestaltung der Desinvestition einer Konzerneinheit im Rahmen eines Buy Out an institutionelle Private-Equity-Investoren. Der Arbeitskreis „Finanzierung“ der Schmalenbach-Gesellschaft hat dafür eine explorative empirische Untersuchung von 33 Konzern-Buy-Outs in Deutschland in den Jahren 1999 bis 2003 unternom-men. Dabei erklärten sich insgesamt 57 Transaktionsbeteiligte (86,4% Rücklaufquote) zu einem persönlichen Interview bereit. Den ersten Schwerpunkt dieser Befragung bildet die Vorbereitung des Buy-Out-Objekts auf den Desinvestitionsprozess sowie die Gestaltung der Veräußerung durch die Konzernmutter. Als zweites Untersuchungsfeld schließen sich die Transaktionsanbahnung sowie die Gestaltung des Buy Out einschließlich nachfolgender Umstruktrierungsmaßnahmen durch den Private-Equity-Investor an. Der Arbeitskreis „Fi-nanzierung“ kommt zum einen zu dem Ergebnis, dass auf Seiten der veräußernden Konzerne wie der kaufenden Private-Equity-Investoren neben prozessualen Umsetzungsdefiziten eine unterschiedliche Interpretation des Konzepts der Wertorientierung festzustellen ist. Zum anderen kann der Arbeitskreis „Finanzierung“ kritische Erfolgsfaktoren für deren Umstrukturierungsprozess durch die Finanzinvestoren identifizieren: strategische Ausrichtung des Buy-Out-Unternehmens, Performancemessung, Zusammensetzung des Managementteams und dessen Anreizsteuerung sowie Corporate-Governance-Struktur.
S. 235-264