Methodische Probleme bei der Erfolgsfaktorenforschung Messfehler, formative versus reflektive Indikatoren und die Wahl des Strukturgleichungs-Modells
Sönke Albers/lutz Hildebrandt
Dieser Beitrag ist ein methodisches Plädoyer zur Verwendung adäquater Methoden in der empirischen Erfolgsfaktorenforschung. Wir zeigen die methodischen Probleme bei der Anwendung der LISREL-Methodologie auf empirische Erfolgsfaktorenstudien auf. Die Trennung in latente Konstrukte und reflektive Indikatoren, um zwischen einem Mess- und Strukturmodell unterscheiden zu können, und die Eliminierung von intern nicht konsistenten Indikatoren ist falsch, wenn es sich wie bei Erfolgsfaktorenstudien häufig um formative Indikatoren handelt, aus denen sich die Konstrukte ergeben. Durch die Wahl der falschen Messstruktur werden wichtige Facetten des Konstrukts vernachlässigt, und man erhält inhaltlich andere Ergebnisse. Bleibt man in der Strukturgleichungs-Methodologie, so empfiehlt sich die Anwendung von PLS, da dort die Indikatoren sowohl formativ als auch reflektiv spezifiziert werden können und geringere Anforderungen an die Daten gestellt werden. Mit Hilfe eines Beispiels wird demonstriert, dass sich insbesondere durch die Eliminierung von Indikatoren und weniger durch die Schätzmethode stark unterschiedliche Ergebnisse ergeben. Hier wird allerdings argumentiert, dass man im Falle ausschließlich formativer Indikatoren zu Regressionsanalysen zurückkehren sollte, weil man Multikollinearität durch Indexbildung behandeln und zusätzlich Nichtlinearitäten und unbeobachtete Heterogenität berücksichtigen kann.
S. 2-33
Varianz- und kovarianzbasierte Strukturgleichungsmodelle Ein Leitfaden zu deren Spe-zifikation, Schätzung und Beurteilung
Andreas Herrmann/Frank Huber/Frank Kressmann
Seit Mitte der 80er Jahre gewinnen Strukturgleichungsmodelle in der betriebswirtschaft-lichen Forschung an Bedeutung. Jüngste Veröffentlichungen untermauern jedoch deren oftmals fälschliche Anwendung bzw. die Fehlkonzeption des überprüften Modells. Nicht zuletzt erschwert die etablierte, auf kovarianzbasierten Verfahren beruhende Software LISREL die häufig notwendige, jedoch unterlassene Einbindung formativ erfasster Modellkonstrukte. Das varianzbasierte Strukturgleichungsverfahren PLS (partial least squares) weist eine Vielzahl von günstigen Eigenschaften gegenüber kovari-anzbasierten Verfahren auf, so auch die problemlose Einbindung formativ erhobener latenter Variablen. Das Hauptargument des Beitrags besteht deshalb darin, einen Leitfa-den zur Modellkonzeption, Konstruktoperationalisierung und Auswahl des angemessenen Prüfverfahrens sowie entsprechender Prüfkriterien zu entwickeln, wobei insbesondere die Operationalisierung von nicht beobachtbaren Variablen mittels formativer Indikatoren eine detaillierte Erörterung erfährt.
S. 34-66
Operationalisierung latenter Variablen in Strukturgleichungsmodellen: Eine Standortbestimmung
Georg Fassott
Latente Variablen in Strukturgleichungsmodellen können mit Hilfe formativer oder reflektiver Messmodelle operationalisiert werden. Eine Durchsicht betriebswirtschaftlicher Zeitschriften zeigt, dass empirische Studien oftmals formative Messmodelle verwenden, diese aber anhand der etablierten Verfahren zur Beurteilung reflektiver Skalen bereinigen. Dieses Vorgehen führt dazu, dass viele publizierte Skalen sowohl durch unzweckmäßige Redundanzen als auch durch schädliche Indikatoreliminierungen geprägt sind. In beiden Fällen wird das dokumentierte Messmodell dem konzeptionellen Inhalt des Konstrukts nicht gerecht. In der Folge ist auch die Gültigkeit der betroffenen Strukturbeziehungen kritisch zu hinterfragen und evtl. durch Replikationsstudien zu überprüfen. Für die Zukunft fordert der Beitrag die empirischen Forscher dazu auf, vor der Übernahme einer publizierten Skala deren Entstehung und Eignung aus messtheoretischer Sicht kritisch zu hinterfragen.
S. 67-88
Kommunikation im Groves-Mechanismus Ergebnisse eines Laborexperiments
Markus C. Arnold/Eva Ponick
Theoretische Untersuchungen haben gezeigt, dass der Groves-Mechanismus als Anreizsystem zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung äußerst wünschenswerte Eigenschaften aufweist. So ergibt sich die wahrheitsgemäße Berichterstattung für alle Spieler als Gleichgewicht in dominanten Strategien. Offen ist jedoch, ob sich dieses Gleichgewicht auch unter realen Bedingungen zeigt und ob der Anreizmechanismus wie von der Theorie vorhergesagt manipulationsresistent ist. Diesen Fragen wird in einer experimentellen Studie nachgegangen. Dabei wird den Teilnehmern in einem von zwei Treatments die Möglichkeit zur anonymen Kommunikation gegeben. Die Ergebnisse zeigen, dass der Groves-Mechanismus in keinem der beiden Treatments zu wahrheitsgemäßer Berichterstattung führt. Während dies im Treatment ohne Kommunikation jedoch auf soziale Präferenzen bzw. Schwierigkeiten beim Verständnis des Anreizmechanismus zurückgeführt werden kann, zeigen sich im Kommunikationstreatment stabile Manipulationsstrategien der Teilnehmer bis in die letzte Runde.
S. 89-120
Herbert Hax in Memoriam
Günter Franke/Helmut Laux
Am 3. Dezember 2005 verstarb Herbert Hax an den Folgen einer schweren Krankheit, die erst vier Monate zuvor entdeckt worden war. Bis zum Ausbruch seiner Krankheit war er noch voller Schaffenskraft. Seine Krankheit hat er mit bewundernswerter Geduld und Zuversicht ertragen. Die Fürsorge seiner Frau und Kinder, das Gespräch mit Freunden und sein tiefer Glaube waren ihm dabei eine große Hilfe. Durch seinen Tod ist nicht nur in Familie und Freundeskreis eine schmerzliche Lücke entstanden, sondern auch in der Wissenschaft.
S. 121-127
Gewährleistungsmanagement im Entstehungszyklus eines Fahrzeugs: Weiterentwicklung des Target Costing-Konzeptes bei BMW Motorrad
Heidrun Jander/Robert Kahlenberg/Jürgen Graßhoff
Mit der Verabschiedung des Schuldrechtsmodernisierungsgesetzes am 26.11.2001 und dessen Inkrafttreten am 01.01.2002 wurde das deutsche Gewährleistungsrecht grundlegend neu gestaltet. Die Unternehmenspraxis erwartet insbesondere durch die Verlängerung der Verjährungsfrist von 6 auf 24 Monate und die neuen gesetzlichen Regelungen zum Rückgriff zukünftig weiter ansteigende Kosten für die Befriedigung von Gewährleistungsansprüchen ihrer Kunden. Vor diesem Hintergrund zeigt der Beitrag auf, wie ein deutscher Fahrzeughersteller in den verschiedenen Phasen des Entstehungszyklus ein proaktives Management der Gewährleistung umsetzt. Das Target Costing-Konzept wird den Spezifika der Gewährleistung entsprechend weiterentwickelt.
S. 128-148