Warum beauftragen deutsche -Käuferunternehmen Investmentbanken bei der Durchführung
ihrer M&A-Transaktionen?
von Derick Beitel, Christoph J. Börner und Dirk Schiereck
Die M&A-Aktivität in Deutschland ist in den 90er-Jahren stark angestiegen und hat Anfang 2000 einen (vorläufigen) Höhepunkt erreicht. Als Folge hat auch die M&A-Beratung in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Die Rolle von Investment-banken im deutschen M&A-Markt wurde bislang empirisch kaum untersucht. Diese Studie analysiert, inwiefern sich Transaktionen mit und ohne Investmentbanken bzw. mit Investmentbanken unterschiedlicher Reputation unterscheiden und welche Bestimmungsgrößen für die Mandatsvergabe daraus abgeleitet werden können. Zudem wird untersucht, welche Bestimmungsgrößen den größten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit der Mandatsvergabe an Investmentbanken haben. Die Ergebnisse geben einen Hinweis auf die Bedeutung der Transaktionskosten und die Rolle der Informationsverteilung zwischen den Marktteilnehmern.
Internationale Standortverlagerung und Mitarbeiterproduktivität:
Eine empirische Untersuchung deutscher Industrieunternehmen
von Winfried Ruigrok und Hardy Wagner
Die Beziehung zwischen ausländischer Direktinvestition und Unternehmenserfolg ist ein schon seit Jahrzehnten erörteter Forschungsgegenstand. Bis heute konnte jedoch kein eindeutiges, konsistentes Ergebnis fixiert werden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Zusammenhang auf einer operationalen und damit praxisorientierten Analyseebene zu untersuchen. Abgeleitet von der Theorie des organisationalen Lernens wird ein U-förmiger Beziehungsverlauf zwischen internationaler Standortverlagerung und Mitarbeiterproduktivität unterstellt. Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung von 75 deutschen Industrieunternehmen im Drei-Jahreszeitraum 1995-1997 bestätigen diese Hypothese. Im Verlaufe internationaler Standortverlagerungen durchlaufen Unternehmen hinsichtlich ihrer Mitarbeiterproduktivität einen Lernprozess, der proaktiv beeinflusst werden kann.
Bewertung von Fertigerzeugnissen zu Voll- oder Teilkosten? Ansatz von Forderungen zum Nennwert oder Barwert?
von Christian Gaber
Eine Beteiligung des Managements an Gewinngrößen spielt eine wichtige- Rol-le- bei der Ausrichtung von Management-entscheidungen auf die Ziele der Unter-neh-menseigentümer. Dieser Beitrag zeigt
auf, unter welchen Gewinnermittlungsregeln ein Agent zu optimalen Investitionsentscheidungen motiviert wird, wenn er an Residualgewinnen beteiligt- wird. Es wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob zum Zwecke einer- optimalen Investitionssteuerung Fertigerzeugnisse zu Vollkosten oder zu Teilkosten bewertet werden sollen. Vor diesem Hintergrund werden ebenfalls verschiedene Wertansätze für Forderungen auf ihre Anreizwirkungen untersucht. Die Ermittlung der zielkonsistenten Bewertungsgrundsätze folgt aus
einer Berücksichtigung von Interessenkonflikten zwischen Unternehmenseignern und Managern bei asymmetrischen Informationen.
Nachruf
Hans Blohm zum Gedenken
von Klaus Lüder
Business Process Reengineering als nachhaltiger Trend? Eine Analyse der Praxis in deutschen Großunternehmen nach einer Dekade
von Thomas Hess und Dagmar Schuller
Business Process Reengineering (BPR) wird in der Wissenschaft zurzeit wenig Bedeutung zugemessen und von manchen Wissenschaftlern sogar mehr als bereits vergangene „Modewelle“ angesehen. Dagegen weisen Praxisvertreter immer wieder auf die nachhaltige Bedeutung von BPR-Projekten hin. Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, diesen Hinweisen nachzugehen und dabei rund zehn Jahre nach dem „BPR-Hype“ zu untersuchen, welche Ideen sich durchgesetzt haben. Gestützt auf standardisierte Fragebögen wurden die BPR-Aktivitäten der deutschen Großunternehmen im Jahr 2003 analysiert. Die Studie zeigt, dass BPR in der Unternehmenspraxis – anders als zurzeit in der Wissenschaft – eine große Bedeutung zukommt, wobei sich allerdings nicht alle grundlegenden BPR-Ideen durchgesetzt haben. Insbesondere die in den 90er Jahren propagierte radikale Neugestaltung von Geschäftsprozessen und eine an diesen Geschäftsprozessen orientierte Ausrichtung der Strukturorganisation haben sich nicht als nachhaltig erweisen können.