Entscheidungskalküle jenseits des subjektiven Erwartungsnutzens – Ein Plädoyer für die Verwendung unterer und oberer Wahrscheinlichkeiten
von Hagen Lindstädt
Ausgangspunkt sind die bekannten empirischen Verstöße gegen Axiome der Bernoulli-Rationalität und die Diskussion um seine präskriptive Ausschließlichkeit. Der Beitrag teilt Nichterwartungsnutzenkalküle in Kategorien ein, die sich für eine Modellierung unterschiedlicher Arten von Verstößen eignen, je nachdem, ob diese Allais-artig oder Ellsberg-artig sind. Es wird argumentiert, dass eine Modifikation des Hurwicz-Kriteriums bei Vorliegen unterer und oberer Wahrscheinlichkeiten einen guten Kompromiss darstellt: Der Kalkül ist axiomatisch begründet, praktikabel und erlaubt die Modellierung einer wichtigen Klasse deskriptiver Verstöße. An Neuem bringt der Beitrag erstens einen Bezugsrahmen für die Verwendung der Kalküle je nach Art des Verstoßes. Zweitens wird eine axiomatische Verankerung des modifizierten Hurwicz-Kriteriums gegeben, indem dieses als Spezialfall des Choquet-Erwartungsnutzen-Kalküls bei Vorliegen unterer und oberer Zustandswahrscheinlichkeiten charakterisiert wird. Für eben diese Wahrscheinlichkeiten wird drittens eine Interpretation im Rahmen des klassischen Wahrscheinlichkeitsformalismus gegeben.
S. 495
VHB-JOURQUAL: Ein Ranking von betriebswirtschaftlich-relevanten Zeitschriften auf der Grundlage
von Expertenurteilen
von Thorsten Hennig-Thurau,
Gianfranco Walsh und Ulf Schrader
Im Rahmen der Forschungsevaluation kommt der Bewertung von Zeitschriftenbeiträgen eine zentrale Rolle zu. Bisherige, vor allem aus dem angelsächsischen Raum stammende Zeitschriftenbewertungen weisen Defizite auf, die einen Einsatz im hiesigen Hochschulbereich einschränken. Zudem fehlt es an einem Ranking betriebswirtschaftlicher Zeitschriften, das sowohl deutsch- als auch englischsprachige Titel enthält.
Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des vorliegenden Beitrags, mit VHB-JOURQUAL ein valides und weitgehend vollständiges Ranking betriebswirtschaftlicher Zeitschriften vorzustellen. Im Anschluss an eine Diskussion existierender Ranking-Ansätze erfolgt die Darstellung der VHB-JOURQUAL-Methodik und der Ergebnisse einer Befragung der Mitglieder und Habilitierenden des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft. Die Validität der Ergebnisse wird unter Bezugnahme auf andere Zeitschriftenbewertungen sowie auf eine eigene Wiederholungsbefragung belegt.
S. 520
Anreize zu produktiven und destruktiven Anstrengungen durch relative Entlohnung
von Christine Harbring und
Bernd Irlenbusch
Untersucht werden relative Leistungsturniere, in denen die Agenten die Möglichkeit haben, eine produktive Anstrengung und eine destruktive Anstrengung zu wählen. Da es insbesondere zu destruktiven Anstrengungen – auch Sabotage genannt – nahezu unmöglich ist, empirische Felddaten zu erheben, wird als Untersuchungsmethode die des Experiments gewählt. Die Variation der Turniere erfolgt hinsichtlich zweier Aspekte: Anteil an Gewinnerpreisen und Höhe der Preisdifferenz. Überraschenderweise zeigt sich, dass entgegen der spieltheoretischen Analyse die produktiven Anstrengungen in den Turnieren mit einem ausgewogenen Verhältnis von Gewinner- und Verliererpreisen bei unerfahrenen Teilnehmern am höchsten ausfallen. Außerdem wird ineffizient viel Sabotage in Relation zur erbrachten produktiven Anstrengung erbracht. Das Sabotageproblem verschärft sich, wenn der Gewinnerpreis erhöht wird.
S. 546
Der Markenwert von Banken – Messung komplexer Sachverhalte
mit modernen Verfahren
von Georg Wübker und Jens Baumgarten
Seit einiger Zeit beschäftigen sich auch Unternehmen aus dem Finanzdienstleistungsbereich zunehmend mit der Frage, wie sie den Wert ihrer Marke für die Preisgestaltung bestimmen und in am Markt durchsetzbare Preisspielräume übersetzen können. Der Beitrag stellt eine von den Autoren entwickelte Methode vor, mit der sich das aus der Marke resultierende Preis-Premium aus Kundensicht quantifizieren lässt. Durch Einsatz eines zum Teil individualisierten Conjoint Designs ist es dabei gelungen, die vagen Konstrukte der „Marke“ und des sich daraus ergebenen „Wertes“ für den Kunden individuell und segmentspezifisch zu messen. Darauf aufbauend werden Wege aufgezeigt, wie anhand von konkret beeinflussbaren Kriterien (der sog. „Markenwerttreiber“) und des Einsatzes von Vertriebstools Zahlungsbereitschaften verschiedener Kundensegmente optimal ausgeschöpft werden können.
S. 577
Burr, Wolfgang
Innovationen in Organisationen
C. Herstatt
S. 593
Evers, Marc
Die institutionelle Ausgestaltung von Wirtschaftsordnungen
D. Schneider
S. 593
Stähler, Patrick
Geschäftsmodelle in der digitalen Ökonomie
T. Tomczak/K. Sausen
S. 594