„Finanzierungsneutralität der Besteuerung“ als politischer Wunsch und als Widersprüchlichkeit in der erklärenden Theorie, oder: Quo vadis, Arqus?
Dieter Schneider
„Finanzierungsneutralität der Besteuerung“ bezeichnet zum einen eine Wunschvorstellung für ein Rechtssystem der Besteuerung. Teil 2 belegt, dass diese „Finanzierungsneutralität der Besteuerung“ bisher nur unter zu engen Umweltbedingungen erforscht worden ist und bezweifelt eine wirtschaftliche Rechtfertigung für den Wunsch nach einer „Finanzierungsneutralität der Besteuerung“. Zum anderen dient der Begriff „Finanzierungsneutralität der Besteuerung“ als Diagnosehilfe bei der Erklärung von Steuerwirkungen mittels der Kapitalmarktgleichgewichtstheorie. Die Diagnosehilfe besteht nicht nur für die Modellbildung über Steuerwirkungen, sondern infiziert auch empirisch-statistische Testverfahren, die ja keineswegs theoriefrei sind. Teil 3 weist nach, dass „Finanzierungsneutralität der Besteuerung“ als Diagnosehilfe bei der Erklärung von Steuerwirkungen in logische Widersprüche führt
S.126-137
Gruppenvergleiche bei hypothetischen Konstrukten – Die Prüfung der Übereinstimmung von Messmodellen mit der Strukturgleichungsmethodik
Dirk Temme/Lutz Hildebrandt
Bei einem Vergleich von Gruppen anhand hypothetischer Konstrukte muss gewährleistet sein, dass die Messmodelle in den Gruppen gleich sind. Andernfalls besteht die Gefahr, dass falsche Rückschlüsse über die Unterschiede auf der latenten Ebene gezogen werden. Dieser Beitrag bietet einen State-of-the-Art zur Überprüfung der Messinvarianz mit der Mehrgruppenanalyse konfirmatorischer Faktormodelle. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Ermittlung nichtinvarianter Indikatoren, wobei unterschiedliche Ansätze zur Identifikation latenter Skalen sowie die wesentlichen Teststrategien verglichen werden. Die empirische Studie zur Invarianz eines Messmodells der psychologischen Markenstärke („Brand Potential Index“) zeigt, dass bei einem Vergleich loyaler und nichtloyaler Konsumenten die Indikatoren Kaufabsicht und Weiterempfehlungsbereitschaft nichtinvariant sind. Aufgrund der Messinvarianz der übrigen Indikatoren sind aber sowohl Vergleiche auf der latenten Ebene als auch direkte Mittelwertvergleiche für die invarianten Indikatoren zulässig.
S.138-185
Humankapital und Sozialkapital: Gibt es einen Matthäus-Effekt bezüglich der Sozialkapitalbildung von Nachwuchsführungskräften?
Anja Iseke
Neben dem Humankapital wird das Sozialkapital, also wertvolle soziale Beziehungen, zunehmend als wesentlich für den individuellen Karriereerfolg betrachtet. Der vorliegende Beitrag untersucht auf Basis der sozio-ökonomischen Tauschtheorie den Einfluss des Humankapitals auf die Sozialkapitalbildung und geht der Frage nach, ob es einen Matthäus-Effekt dergestalt gibt, dass Humankapital die Sozialkapitalbildung fördert. Eine empirische Studie von Nachwuchsführungskräften in einer Unternehmensberatung liefert Indizien für einen Matthäus-Effekt: Wer über allgemeines Humankapital in Form eines zusätzlichen formalen Abschlusses verfügt, kann in verstärktem Maße auf die Expertise und Unterstützung der Kollegen zugreifen. Implikationen für die Gestaltung der Einarbeitung in Unternehmen werden abschließend dargelegt.
S.186-211
Kontaktstudium
Kapitalmarktwirkungen der Berichterstattung zur Unternehmensleistung
Martin Wallmeier
Dieser Beitrag blickt zurück auf 40 Jahre Forschung zur Wertrelevanz der Unternehmensberichterstattung und speziell zum Zusammenhang von Gewinnen und Aktienrenditen. Die empirischen Studien verdeutlichen Spannungsfelder, die das Verhältnis von Rechnungslegung und Kapitalmarktbewertung prägen. Einerseits spielen Gewinne im Informationssystem von Unternehmen eine zentrale Rolle, und die Informationsvermittlung bildet das zentrale Ziel der internationalen Rechnungslegung; andererseits erklären Gewinnmitteilungen nur einen kleinen Teil der beobachteten Aktienrenditen, und die tatsächliche Rechnungslegung ist durch den Konflikt zwischen Relevanz und Zuverlässigkeit in der Informationsvermittlung beschränkt. Unternehmensvertreter scheinen verbreitet von einem kurzsichtigen, einseitig auf den aktuellen Gewinn ausgerichteten Kapitalmarkt auszugehen, während die empirische Evidenz ein anderes Bild ergibt. Aus diesen Spannungsfeldern heraus ist kritisch zu hinterfragen, was eine zweckmäßige Kapitalmarktorientierung auszeichnet. Sie impliziert nach der hier vertretenen Auffassung keine Abkehr von Objektivierungsgrundsätzen der Rechnungslegung und bedeutet auch nicht, dass sich Unternehmen passiv an vermeintliche Forderungen der Kapitalmarktteilnehmer anpassen sollten.
S.212-224