Deutsche Universitäten als Gründungsinkubatoren: Der Beitrag der Gründungsausbildung zur Gründungsintention von Studierenden
Sascha G. Walter/Achim Walter
Ein steigendes Angebot universitärer Gründungsausbildung zielt darauf ab, Studierende für eine unternehmerische Tätigkeit zu sensibilisieren und auszubilden und so die Anzahl akademischer Gründungen langfristig zu steigern. Zur prinzipiellen Effektivität derartiger Angebote liegen jedoch bisher kaum Erkenntnisse vor. Wir untersuchen, ob universitäre Gründungsausbildung nach einer Kontrolle personenbezogener Einflüsse überhaupt zur Entwicklung studentischer Gründungsintentionen beiträgt. Auf Basis einer deutschlandweiten Befragung von 2.621 Studierenden an 63 universitären Fachbereichen zeigen Hierarchisch Lineare Regressionsmodelle, dass nur von anwendungsorientierter Gründungsausbildung handlungsrelevante Impulse ausgehen und diese Effekte auf Männer beschränkt sind. Weitere Geschlechterunterschiede bestehen in der Wirkung personenbezogener Einflüsse.
S.542-569
Intention postgradualer Bindung: Warum Studenten der Wirtschaftswissenschaften nach dem Examen dem Alumniverein beitreten wollen
Stefan Hoffmann/Stefan Müller
Anders als in den USA ist es für deutsche Studenten eine bewusste Entscheidung, dem Alumniverein ihrer Universität beizutreten. Deshalb identifizieren die Autoren jene Faktoren, die erklären helfen, ob Studenten im Verlauf ihres Hauptstudiums die Absicht entwickeln, sich nach dem Examen an ihre Hochschule zu binden. Die Autoren argumentieren, dass sich die Bindungsabsicht (Intention postgradualer Bindung, IPB) in Abhängigkeit von der Zufriedenheit mit der Servicequalität der Hochschule, der Integration in das akademische Leben, dem Nutzen, den der Absolventenverein während des Studiums stiftet, dem emotionalen Commitment sowie dem Commitment mit dem Stu-diengang entwickelt. Das postulierte Modell wird auf Basis der Aussagen von 136 Studierenden der Betriebswirtschaftslehre mit Hilfe von PLS geprüft. Die Auskünfte von 110 Studierenden anderer wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge belegen die externe Validität. Aus den Befunden werden Vorschläge für eine aktive Alumniarbeit abgeleitet.
S.570-600
Dreierlei Einführungen in eine studienreformierte Betriebswirtschaftslehre
Dieter Schneider
Die Ausbildung zum Diplom-Kaufmann, Diplom-Ökonomen usw., ist in den letzten Jahren durch die Guillotine ministeriellen Zwanges hingerichtet worden. Aus den Blut-lachen überkommener Lehrgebäude müssen Lehrbuchautoren versuchen, Rinnsale für verkürzte Bachelor- und Masterstudiengänge zu graben. Eines der zu lösenden Probleme lautet: Welche Teile des bisher gängigen Stoffs für Diplomprüfungen, wie ihn „Einführungen in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“ vorstellen, sind unverzichtbar, welche sollten wegen der verkürzten Regelstudienzeit bei der Ausbildung künftiger Bachelors oder Masters geopfert werden? Ein weiteres Problem ist, ob altüberkommene Sprachnachlässigkeiten bei Grundbegriffen in die Zukunft fortgeschrieben werden dürfen. Die drei hier zu besprechenden Einführungen in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre beziehen sich auf Bachelor- und Masterstudiengänge oder werben mit „Bachelor geeignet“ bereits auf dem Deckblatt. Sie beantworten diese Fragen in drastisch unterschiedlicher Weise.
S.601-611
Kontaktstudium
Globalisierung als Chance für Wachstum und Wohlstand – Eine deutsche Standortbestimmung
Clemens Börsig
Die „Globale Vernetzung von Wirtschaft und Politik“ ist ohne Zweifel ein Megatrend des 21. Jahrhunderts. Sie ist Treiber eines epochalen Strukturwandels, der die internationale Arbeitsteilung in neue Dimensionen führt und weltweit für zunehmende Wett-bewerbsintensität sorgt. Länder, die am internationalen Waren- und Dienstleistungsver-kehr teilnehmen und ausländische Direktinvestitionen sowie Arbeitskräfte anziehen, erzielen ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum als Länder, denen diese Integration in die Weltwirtschaft nicht gelingt. Offene Länder profitieren vom internationalen Ideen-austausch und partizipieren damit kontinuierlich am technologischen Fortschritt. Dieser wiederum ist die entscheidende Quelle für langfristiges Wirtschaftswachstum. Höhere Offenheit bedeutet mehr Wettbewerb und weckt damit nicht selten diffuse gesellschaftliche Ängste vor den Folgen der Globalisierung. Die Sorge vor sozialem Abstieg oder fehlenden Zukunftsperspektiven spiegelt sich nicht selten in Forderungen nach wirtschaftlicher Abschottung wider – sicherlich der falsche Weg. Der gestiegene Anpassungsdruck verlangt den nationalen Volkswirtschaften vielmehr eine ständige Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen ab. Er zwingt die Unternehmen zu einer kontinuierlichen Optimierung der Produktionsprozesse und Entwicklung neuer Produkte und fordert von jedem Einzelnen die beständige Bereitschaft zur beruflichen Weiterbildung. Globalisierung ist damit gleichzeitig eine Herausforderung für die Reformfähigkeit unserer Gesellschaft und eine Chance für technologischen Fortschritt, Wachstum und Wohlstand – wenn die Weichen richtig gestellt werden.
S.618-629