Steuerwirkungen beim Unternehmenskauf – Eine ökonomische Analyse steuerrechtlicher Missbrauchsregeln
Ulrich Schreiber/Jan Markus Mai
Beim Unternehmenskauf können Verkäufer und Käufer durch Umstrukturierungsmaßnahmen steuerliche Vorteile erzielen. Dem begegnet das Steuerrecht durch Missbrauchsregelungen. Diese Missbrauchsregelungen wurden im Zuge der Reform des Umwandlungssteuergesetzes geändert. Missbrauchsregelungen sind abzulehnen, wenn sie eine neutrale Besteuerung des Unternehmenskaufs verhindern oder eine insoweit bestehende Aneutralität verstärken. Dies ist für das alte Recht und das geltende Recht der Fall. Um das Steueraufkommen zu sichern, werden allerdings Verstöße gegen die Neutralität der Besteuerung des Unternehmenskaufs hingenommen. Dabei ist aber der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten. In dieser Hinsicht ist das geltende Recht dem alten Recht überlegen.
S.2-28
Optimale Eigenfinanzierung der Personen-unternehmen nach der Unternehmensteuerrreform 2008/2009
Stefan Homburg/Henriette Houben/Ralf Maiterth
Der Spitzensteuersatz für Einkünfte aus Personenunternehmen steigt ab 2008 von 42 auf 45 Prozent. Zugleich ermöglicht der neu eingeführte § 34a EStG, einbehaltene Gewinne von Personenunternehmen mit einem ermäßigten Satz von 28,25 Prozent zu versteuern, wobei im Entnahmefall eine Nachversteuerung erfolgt. Wir analysieren, in welchen Fällen eine Antragstellung nach § 34a EStG lohnt. Zugleich wird deutlich, dass die Komplexität der Neuregelung keine explizite Berechnung der Kapitalkosten mehr erlaubt, weshalb wir neben der impliziten Charakterisierung der Kapitalkosten konkrete numerische Beispiele zeigen.
S.29-47
Offshoring der Kundeninteraktion:
Eine empirische Analyse der Wirkung der Sprachqualität am Beispiel von Call Centern
Matthias H. J. Gouthier/Andreas Eggert/Felicitas Nogly
In Folge eines wachsenden Konkurrenzdrucks verlagern Unternehmen personalintensive Geschäftsprozesse, wie zum Beispiel Call Center-Dienste, zunehmend in Länder mit niedrigem Lohnniveau. Während die Kostenvorteile dieser Handlungsoption auf der Hand liegen, besteht weitgehende Unklarheit über mögliche negative Effekte eines Offshoring der Kundeninteraktion. Der vorliegende Beitrag entwickelt und testet ein Modell, das die Sprachqualität von Call Center-Agenten und die Zufriedenheit der Kunden mit der Call Center-Interaktion und ihre Loyalitätsintention verbindet. Es zeigt sich, dass ein vom Kunden wahrgenommener Akzent des Call Center-Agenten negative Auswirkungen auf die Zuweisung fachlicher und sozialer Kompetenz hat, welche ihrerseits mit der Zufriedenheit und Loyalitätsintention der Kunden in Zusammenhang stehen. Aus der Modellierung geht weiterhin hervor, dass der negative Einfluss eines Akzents durch den vorteilhaften Einsatz der übrigen Sprachmerkmale (Stimme, Sprechgeschwindigkeit und Sprachverständlichkeit) kompensiert werden kann. Diese Erkenntnisse führen zu wesentlichen Implikationen für das Management von Call Centern.
S.48-70
Kontaktstudium
Betriebswirtschaftliche Wissenschaft und Unternehmenspraxis
Erfahrungen aus dem Marketing-Bereich
Hermann Simon
Unter Zugrundelegung einer entscheidungsorientierten Perspektive werden ausgewählte Konzepte, die die betriebswirtschaftliche Wissenschaft in den letzten vier Jahrzehnten entwickelt hat, im Hinblick auf ihre Rolle in der Unternehmenspraxis analysiert. Die Analyse ergibt, dass die Hälfte der untersuchten acht Ansätze fühlbare Auswirkungen auf die Praxis hatte. Es gibt nicht den einen Grund, warum sich bestimmte Forschungsansätze in der Praxis nicht durchsetzen. Die Untersuchung deutet jedoch darauf hin, dass eine starke methodische Verfeinerung, akademisch induzierte Fragestellungen und die Nutzung historisch zufällig verfügbarer Daten dem Erfolg in der Praxis entgegenstehen. Umgekehrt setzen sich Konzepte insbesondere dann durch, wenn sie dem Manager nachweisbare, im Hinblick auf Umsatz oder Budgeteinsatz wertvolle Einsichten vermitteln, die er auf intuitive Weise nicht erreichen kann. Von der Praxis selbst gehen zu geringe Anregungen für die Wissenschaft aus. Das liegt eher an objektiven Barrieren als am mangelnden Willen der Beteiligten. Wissenschaftler sollten sich stärker Forschungsanregungen aus der Praxis holen, Praktiker sollten stärker bereit sein, solche Anregungen zu geben. Die Wertungen in diesem Artikel beruhen auf den persönlichen Erfahrungen des Autors als Wissenschaftler und Berater. Es wird weder ein Anspruch auf Repräsentativität noch auf Vollständigkeit erhoben.
S.73-93
Rezension
Jungermann, Helmut/Pfister, Hans R./Fischer, Katrin
Die Psychologie der Entscheidung. Eine Einführung
Prof. Dr. Andreas Oehler, Bamberg