Die Rekonstruktion interner Märkte, das Dilemma der pretialen Lenkung und spezifische Investitionsprobleme
Thomas Pfeiffer/Joachim Wagner
In der vorliegenden Arbeit wurde das Dilemma der pretialen Lenkung in einer Welt unvollständiger Verträge einer erneuten Untersuchung unterzogen. Als Ergebnis zeigte sich, dass eine zentrale Planung gegenüber einer dezentralen Steuerung mit Verrechnungspreisen überlegen ist, wenn eine hinreichend positive Korrelation zwischen Kosten- und Erlösentwicklung besteht (und vice versa). Darauf aufbauend wurde untersucht, inwieweit Effizienzsteigerungen mit einem hybriden Mechanismus im Sinne von Edlin/Reichelstein (1995) möglich sind, wobei erweiternd davon ausgegangen wurde, dass von den Parteien das ursprünglich geplante Bereichsergebnis im Rahmen ihrer Verhandlungen unterschiedlich stark geltend gemacht werden kann.
S.958-981
Quasilineare Mittel von Periodensicher-heitswerten als intertemporale Nutzenfunktionen
Harald Dyckhoff
Intertemporale Nutzenfunktionen werden regelmäßig als Summe diskontierter Periodenerwartungsnutzen spezifiziert. Diese sind bei ordinaler Nutzenmessung äquivalent zu einem sehr speziellen Fall quasilinearer Mittel von Periodensicherheitswerten und bei kardinaler Messung nur mit solchen periodenbezogenen Risikopräferenzen im engeren Sinne vereinbar, die subjektiver Risikoneutralität entsprechen. Die allgemeinere Gestalt der quasilinearen Mittel, welche die Sicherheitswerte der Höhenpräferenz der Periodenergebnisse zeitlich gewichtet amalgamiert, lässt dagegen subjektive Periodenrisikopräferenzen sowie zeitliche Ungleichheitsscheu oder -freude zu. Die Analyse zeigt aber auch, dass sie teilweise recht einschneidende Eigenschaften aufweist und insbesondere nur in den genannten Sonderfällen mit den Axiomen der Erwartungsnutzentheorie vereinbar ist.
S.982-1001
Realoptionen und Immobilienbewertung: Eine Umsetzungsstudie
Steffen Brenner/Rainer Schulz/Wolfgang Härdle
In der Studie werden entwicklungsfähige Grundstücke des Berliner Stromversorgers Bewag als Realoptionen bewertet. Im Gegensatz zu traditionellen Bewertungsverfahren werden dadurch die Opportunitätskosten einer sofortigen und irreversiblen Entwicklung explizit berücksichtigt. Wir zeigen, dass Realoptionswerte sowohl konzeptionell als auch praktisch besser sind als andere Bewertungen nach dem Ertragswertansatz. Rein auf B odenwerten beruhende Vergleichswerte sind im Mittel ebenfalls schlechter. Lediglich durch Gutachter angepasste Vergleichswerte sind R ealoptionswerten im Mittel immer überlegen. Aber auch in Bezug auf die Gutachterwerte tragen Realoptionswerte noch Informationen bei, die zu insgesamt besseren B ewertungen führen können. Um den Einfluss von Annahmen und Parameterwerten auf Realoptionswerte abzuschätzen, werden umfangreiche Sensitivitätsanalysen durchgeführt. Insgesamt zeigt die Studie, dass das Realoptionsverfahren als sinnvolle Ergänzung zum gutachterlichen Vergleichswertverfahren angesehen werden kann. Das Realoptionsverfahren sollte deshalb in der Zukunft verstärkt bei der Immobilienbewertung herangezogen werden.
S.1002-1028
Gewollte und ungewollte Anreizwirkungen von variablen Löhnen: Disziplinierung der Agenten oder Crowding-Out?
Antoinette Weibel/Katja Rost/Margit Osterloh
Seit längerer Zeit wird kontrovers über die Auswirkung variabler, leistungsbezogener Entlohnung auf das Arbeitsverhalten diskutiert. Wir untersuchen mit einem experimentellen Vignettendesign in einem berufsnahen Kontext, wie variable Löhne die handlungsauslösende Ursachenzuschreibung verschieben und welche Effekte diese Verschiebung auf Verhaltensintentionen ausübt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass variable Entlohnung zum einen den gewünschten Preiseffekt erzielt: Sie löst eine Belohnungs- bzw. Bestrafungsori-entierung aus und steigert die beabsichtigte Arbeitsanstrengung. Zum anderen führt variable Entlohnung zu einem Verdrängungseffekt: Verinnerlichte Normen oder die Freude an einer Tätigkeit weichen der Belohnungs- und Bestrafungsorientierung. Die beabsichtigte Arbeitsanstrengung sinkt. Wir messen diese nicht beobachtbaren Auswirkungen von Preis- und Verdrängungseffekt auf Arbeitsanstrengungen und diskutieren die Auswirkung leistungsbezogener Entlohnung auf das Arbeitsverhalten als Totaleffekt der beiden gegenläufigen Effekte. Der Beitrag trägt zur aktuellen Diskussion über die Wirkung von variablen Leistungslöhnen auf drei Arten bei. Wir zeigen: (1) Variable Leistungslöhne lösen stets simultan einen Preis- und einen Verdrängungseffekt aus. (2) Das standardökonomische Modell kommt nur dann zu korrekten Verhaltensprognosen, wenn der Preiseffekt Arbeitsanstrengungen stärker beeinflusst als der simultan wirkende Verdrängungseffekt. (3) Die Kosten variabler Löhne sind höher als in der Standardökonomik angenommen: Variable Löhne ziehen stets einen nicht beobachtbaren Verdrängungseffekt nach sich.
S.1029-1054
Alles für die Marke? Produktdesign im Konflikt zwischen einer markenkonformen und einer
eigenständigen Produktliniengestaltung
Andreas Herrmann/René Befurt/Mark Heitmann/Hans Berger
Eine starke Marke ist in vielen Märkten unerlässlich, um das von den Kunden gewünschte Nutzenversprechen zu erfüllen. Überall dort, wo die physikalisch-chemisch-technische Beschaffenheit eines Erzeugnisses für die Differenzierung im Markt nicht mehr ausreicht und emotional-ästhetische Leistungsdimensionen zählen, kommt es auf eine starke Marke an. Insofern sind Unter-nehmen bemüht, insbesondere das Design von Produkten so zu gestalten, dass alle Erzeugnisse auf die Marke einzahlen. Bei einem als vergleichbar erlebten Leistungsspektrum und technischen Unterschieden, die von den Kunden gar nicht mehr wahrgenommen werden können, tritt die Schwierigkeit auf, die Preisdifferenz zwischen den Produkten der Linien zu rechtfertigen. Hinzu kommt, dass bei einem nahezu identischen Auftritt keine prägnante Positionierung der Produktlinien möglich ist, Kannibalisierungseffekte zwischen ihnen auftreten und man unscharfe und unklare Nutzenbotschaften an die verschiedenen Segmente aussendet. Man halte sich beispielsweise die Frontansichten von Fahrzeugen einer Marke vor Augen; nur wenige Kunden sind in der Lage, die Baureihen voneinander zu unterscheiden. In diesem Aufsatz wird gezeigt, an welchen Designfacetten eine Differenzierung der Produktlinien möglich ist, ohne das gemeinsame Markenbild zu gefährden.
S.1055-1080