Internationalisierungspfad und Unternehmenserfolg – Implikationen kultureller Distanz in der Internationalisierung
Thomas Hutzschenreuter/Johannes Voll
In der bisherigen Forschung zur Internationalisierung sind zwei Fragen nur unvollständig beantwortet worden. Es handelt sich dabei zum einen um die Frage nach den Ursachen unterschiedlicher Internationalisierungspfade und zum anderen um die Frage nach der Erfolgswirkung der Internationalisierung. Jüngere Studien legen aber nahe, dass die Gestalt des Internationalisierungspfades einen wichtigen Einfluss auf die Erfolgswirkung der Internationalisierung hat. In bisherigen Studien zum Internationalisierungspfad und seinen Auswirkungen wurde dieser allerdings betrachtet, ohne zwischen einzelnen Internationalisierungsschritten zu differenzieren, die den Gesamtpfad bilden. Mit dem vorliegenden Artikel soll zur Schließung dieser Lücke beigetragen werden, indem die kulturelle Distanz zu den Zielländern der Internationalisierung in die Betrachtung einbezogen wird. Anhand von detaillierten und umfassenden Daten zur Expansion eines Panels von 91 deutschen Unternehmen zwischen 1985 und 2004 kann gezeigt werden, dass das Ausmaß kultureller Distanz pro Zeit die weitere Internationalisierung bremst und dass Ausmaß und Unregelmäßigkeit der kulturellen Distanz einen negativen Einfluss auf die Profitabilität haben.
S.814-846
Erfolgsfaktor Internationalisierung: Eine empirische Analyse der Breite und Geschwindigkeit der internationalen Markteinführung pharmazeutischer Innovationen von Folgern
Marc Fischer/Michel Clement
Obgleich international tätige Unternehmen in der globalen Ökonomie allgegenwärtig sind, lassen sich in der theoretischen und empirischen betriebswirtschaftlichen Forschung nur wenige Beiträge finden, die die Vor- und Nachteile internationaler Markteintrittsstrategien empirisch untersuchen. Dieser Aufsatz zeigt, wie (1) die Breite der Internationalisierung und (2) die Geschwindigkeit des internationalen Markteintritts direkt und moderierend den Marktanteil neuer Produkte in der pharmazeutischen Industrie beeinflussen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Manager, die ihre Neuprodukte bereits in mehrere große internationale Märkte eingeführt haben, einen höheren Marktanteil in den neuen Ländermärkten realisieren können. Erreicht wird dieser Effekt vor allem durch die Reduktion des Nachteils eines späten Markteintritts und durch eine höhere Wirkung des Marketings. Für Manager von Folgerprodukten bedeuten diese Erkenntnisse, dass eine sequenzielle Markteinführungsstrategie (Wasserfallstrategie) in große, bereits von Wettbewerbern erschlossene, internationale Märkte deutlich mehr Erfolgspotenzial bieten kann, als eine schnelle, parallele Markteinführung (Sprinklerstrategie).
S.847-881
Normative Bilanztheorie und Grundsätze ordnungsmäßiger Gewinnrealisierung für Mehrkomponentenverträge
Jens Wüstemann/Sonja Kierzek
Sowohl im Rahmen der Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung als auch der IFRS ist die Gewinnrealisierung bei Mehrkomponentenverträgen derzeit ungelöst. In diesem Beitrag wird zunächst aus dem handelsrechtlichen Bilanzzweck ein anwendungsscharfes Normsystem für die Gewinnrealisierung bei Mehrkomponentenverträgen dem Grunde und der Höhe nach abgeleitet. Im Rahmen der anschließenden Analyse der Ertragsvereinnahmung nach IFRS kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass eine direkte Übertragung der Regelungslösungen der US-GAAP, wie sie von deutschen Bilanzierenden in praxi betrieben werden mag, nicht nur im handelsrechtlichen Jahresabschluss und in der Steuerbilanz, sondern auch im IFRS-Abschluss deutscher Unternehmen inadäquat ist. Der Beitrag schließt mit der These, dass die hier abgeleitete Bilanzierungslösung in allen drei Regelwerken an die Stelle der US-GAAP-Regelungen treten kann.
S.882-913
Kapitalerhaltung bei Anwendung der funktionalen Methode zur Währungsumrechnung
Christoph Weber
Unterschiedliche Methoden zur Umrechnung ausländischer Abschlüsse für den Konzernabschluss führen zu unterschiedlichen Gewinnbeiträgen und damit zu Unterschieden im erhaltenen Kapital in Konzernwährung. In diesem Beitrag werden für die Zeitbezugsmethode und die Stichtagskursmethode die implizit unterstellten Gleichgewichtsbeziehungen an internationalen Finanz- und Gütermärkten herausgearbeitet. Daraufhin wird anhand eines Modells zur Währungsumrechnung bei Gültigkeit des Internationalen Fisher Effekts die Auswirkung der erfolgsneutralen Behandlung von Umrechnungsdifferenzen bei Anwendung der Stichtagskursmethode auf die Kapitalerhaltung dargestellt. Die erfolgsneutrale Stichtagskursmethode ist auch bei Anwendung der funktionalen Methode, die nach IAS 21 und SFAS 52 vorgeschrieben ist, vorherrschend. Der anschließend aufgezeigte Einfluss der erfolgsneutralen Umrechnungsdifferenz aus der Währungsumrechnung auf die Konzernabschlüsse der DAX 30-Unternehmen im Geschäftsjahr 2004 verdeutlicht die Notwendigkeit, sich analytisch mit den Zusammenhängen und Ursachen auseinanderzusetzen, um eine Fehlallokation des eingesetzten Kapitals zu vermeiden.
S.914-937
Die Rolle von Transaktionskosten bei Outsourcingentscheidungen
Alexander Wintergerst/Michael Welker
Studien zeigen, dass die Kostensenkungsziele bei Outsourcing häufig nicht erreicht werden. Während sich Produktionskostenunterschiede vergleichsweise exakt erfassen lassen, sind die Veränderungen der Transaktionskosten deutlich schwieriger abzuschätzen und haben häufig erst in einer späteren Phase einen erheblichen Einfluss auf die Profitabilität des Outsourcing. Der Beitrag verbindet Transaktionskostentheorie und Einsichten aus der Praxis, um zentrale Transak-tionskostentreiber und deren Wirkung auf Kostenunterschiede in den einzelnen Phasen des Outsourcing aufzuzeigen. Diese Erkenntnisse können für eine verbesserte Abgrenzung und Bewertung von Transaktionskosten im Rahmen von Outsourcingvorhaben und letztlich bessere Entscheidungen im Hinblick auf Kosteneffekte eingesetzt werden.
S.938-954
Rezension
Kersten, Wolfgang (Hrsg.)
E-Collaboration, Prozessoptimierung in der Wertschöpfungskette
Prof. Dr. Bernd W. Wirtz, Speyer
S.955-956