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September   zfbf 2007

Entwicklung von Organisationstheorien als Zeitgeistphänomen
Alfred Kieser
Zunächst wird die Frage aufgeworfen, ob in der wissenschaftlichen Diskussion überhaupt Raum für Einwirkungen des Zeitgeists vorhanden ist. Es wird gezeigt, dass die auch in der wissenschaftlichen Diskussion präsente Rhetorik ein Einfallstor für den Zeitgeist bildet. Auch gehört die Managementtheorie zu denjenigen Wissenschaftsfeldern, in denen die Begründung neuer, dem Zeitgeist folgenden Paradigmen, relativ leicht fällt. Es wird der Annahme nachgegangen, dass die Verbreitung und Verschärfung von Evaluationen Wissenschaftler dazu veranlasst, sich verstärkt an langfristigen Trends des Zeitgeists, etwa an Trends zur Quantifizierung, Ökonomisierung und Empirisierung, zu orientieren. Eine empirische Analyse von Habilitationsprojekten unterstützt diese Annahme, wenn auch nur schwach. Abschließend wird erörtert, wie dem Trend zur Einseitigkeit in der Organisationstheorie begegnet werden kann.
S.678-705

 

Unternehmensbewertung auf der Basis von Kundenlebenswerten
Thorsten Wiesel/Bernd Skiera
Der Beitrag stellt ein Modell zur Bewertung von Unternehmen auf der Basis von Kundenlebenswerten vor, das sich vor allem für Unternehmen mit vertraglichen Kundenbeziehungen eignet. Die wesentliche Idee des Modells besteht darin, den Wert der Kundenbasis durch Addieren der diskontierten Kundenlebenswerte aller gegenwärtigen und zukünftigen Kunden zu ermitteln und darauf aufbauend den Wert des Unternehmens zu errechnen.Das Modell verbindet damit den Wert der Kundenbasis als einen Hauptfokus von Marketingaktivitäten mit dem Unternehmenswert als eine Messgröße des finanziellen Erfolgs eines Unternehmens. Es ermöglicht zudem die Auswirkungen von Veränderungen von Kundenkenngrößen auf den Wert der Kundenbasis und den Unternehmenswert zu ermitteln. In zwei Anwendungen werden die Anwendbarkeit und die Sensitivität der Ergebnisse analysiert sowie Möglichkeiten zur Gewinnung der benötigten Daten und der Kalibrierung des Modells dargestellt.
S.706-731


Führt das Rating nach Basel II zu einer frei-willigen Umstellung der Rechnungslegung von den handelsrechtlichen GoB zu den IFRS?
Stefan Wielenberg
In der Diskussion um die freiwillige Anwendung der IFRS-Standards in nicht börsenorientierten mittelständischen Unternehmen spielt ein Argument eine besondere Rolle: Die Umstellung auf IFRS verbessert Transparenz, Image und nicht zuletzt wichtige bilanzanalytische Kennzahlen des Unternehmens und führt daher zu einem besseren Rating und damit nach Einführung von Basel II zu günstigeren Kreditkonditionen. Dieses Argument ist aus ökonomischer Sicht zweifelhaft, da Banken und Rating-Agenturen genügend Marktmacht und Know-How besitzen sollten, um Transparenzlücken zu schließen und Bilanzpolitik zu durchschauen. Dieser Aufsatz analysiert das Umstellungsmotiv „Rating/Basel II“ in einem einfachen spieltheoretischen Modell, in dem der Kreditgeber unvollständige Informationen über die Bonität des Kreditnehmers besitzt. Der Kreditnehmer bestimmt darüber, ob er dem Kreditgeber den HGB-Abschluss zur Analyse einreicht oder ob er auf IFRS umstellt. Die Analyse der Eintrittsbedingungen für die in diesem Spiel möglichen sequentiellen Gleichgewichte zeigt, dass einerseits die vollständige Beibehaltung der HGB-Rechnungslegung im Mittelstand unrealistisch ist, andererseits aber auch der Wechsel aller Unternehmen zu IFRS aus dem Motiv der Ratingverbesserung nicht zwingend erfolgen muss.
S.732-751

 

Normierungsansätze unternehmensethischer Kodizes
Till Talaulicar
Unternehmensethische Kodizes lassen sich anhand der Konkretheit ihrer Normen als regel- oder als prinzipiengebunden einordnen. Während Regeln definitive Gebote enthalten, gebieten Prinzipien die Approximation als Ideal beschriebener Zustände. Diese Strukturunterschiede haben zur Konsequenz, dass sich Prinzipien über einen breiteren Anwendungsbereich erstrecken und eine anspruchsvollere Form der Anwendung verlangen, da die Normadressaten die faktischen und normativen Gegebenheiten abwägen müssen, um über das gebotene Ausmaß der Normerfüllung zu entscheiden. Es wird gezeigt, dass Kodizes dennoch zumindest auch prinzipiengebunden sein müssen, sofern sie nicht nur sehr eingeschränkte Ethisierungsziele verfolgen, die sich darin erschöpfen, einige wenige, besonders gravierende und definitiv regelbare Handlungsweisen zu gebieten.
S.752-774

 

Kontaktstudium

Studienfinanzierung in Deutschland:
Potenziale und Risiken für Finanzdienstleister

Kathrin Braunwarth/Hans Ulrich Buhl/Tobias Gaugler/Nina Kreyer
Vor dem Hintergrund aktueller Veränderungen des studentischen Marktes untersucht der vorliegende Beitrag Potenziale und Risiken, die sich für Finanzdienstleister bei der Gestaltung von Studienfinanzierungsprodukten ergeben. Hierbei zeigt eine Marktanalyse, die sowohl das Marktpotenzial und den Finanzbedarf der Studierenden betrachtet als auch die mit dem Markteintritt verbundenen Risiken untersucht, dass eine undifferenzierte Ansprache aller Studierenden hohe Risiken birgt und somit zu unattraktiven (und am Markt nicht wettbewerbsfähigen) Konditionen für Studienfinanzierungsprodukte führen würde. Vielmehr sollten innovative Produkte entwickelt werden, die alternative Wege zur Ansprache und Bindung der potenzialstarken studentischen Zielgruppe erlauben.
S.775-808

 

Rezension

Küpper, Hans-Ulrich
Unternehmensethik. Hintergründe, Konzepte und Anwendungsbereiche
Ute Schmiel, Ilmenau
S.809-811



 
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