Die Zufriedenheit mit dem Entscheidungsprozess als Determinante der Kundenbindung
Mark Heitmann/Andreas Herrmann
Kundenzufriedenheit wird allgemein verstanden als Konsumzufriedenheit, d.h. die Zufriedenheit mit dem Ge- oder Verbrauch eines Erzeugnisses. Unbeachtet bleibt die Zufriedenheit mit der eigentlichen Produktwahlhandlung, d.h. der Entscheidungsprozesszufriedenheit. Dieser Artikel setzt sich zum Ziel, die zentralen Determinanten der Entscheidungsprozesszufriedenheit zu identifizieren, den Zusammenhang zwischen Entscheidungsprozess- und Konsumzufriedenheit zu erhellen sowie die Auswirkungen des Konstrukts auf Kundenloyalität und Weiterempfehlungsabsicht zu untersuchen. Die Ergebnisse einer empirischen Studie belegen die Bedeutung der Entscheidungsprozesszufriedenheit für das Marketing.
S.530-566
Das Vorsichtsprinzip bei Informationsasymmetrien zwischen Gläubigern
Jochen Bigus
Das Vorsichtsprinzip des handelsrechtlichen Jahresabschlusses diene - so die Befürworter - dem Erhalt der Haftungsmasse und damit dem Gläubigerschutz. Kaum beachtet hat die Literatur bisher, dass Gläubiger oft unterschiedlich gut informiert sind. Hausbanken sehen oftmals früher die drohende Insolvenz des Schuldners voraus als andere Gläubiger. Dieser Beitrag zeigt, dass die informierte Hausbank einen Kredit vorzeitig kündigen wird, wenn die (stillen) Reserven des Schuldners hinreichend hoch sind, d.h. das Vorsichtsprinzip hinreichend restriktiv ist. Eine Kündigung mag jedoch ineffizient sein, wenn sie Kosten impliziert, etwa Verwertungsverluste. Die Haftungsmasse der uninformierten, ungesicherten Gläubiger reduziert sich. Das Vorsichtsprinzip schützt somit die informierten Gläubiger, kann aber zum Nachteil der uninformierten Gläubiger gereichen. Zudem wird gezeigt, dass Vorsichtsprinzip und Kreditsicherheiten substitutiv wirken.
S.567-587
Vorteile für Beschaffungsbeziehungen in
Clustern? Eine vergleichende transaktionskostenanalytische Betrachtung
Carsten Fussan/Katja Klepper
Netzwerksynergien werden oft als Vorteil regionaler Industriecluster genannt. Aber sind diese Synergien wirklich relevant genug, um Cluster als Unternehmensumgebung aktiv für die Optimierung von Beschaffungsstrukturen zu nutzen? Zur Beantwortung dieser Frage werden Beschaffungsbeziehungen innerhalb von Industrienetzwerken (Clustern) und alternativ zwischen nicht netzwerkverbundenen Partnern diskutiert. Den vertragsökonomischen Aspekten dieser Fragestellung wird dabei durch Verwendung des Transaktionskostenansatzes Rechnung getragen. Die Ergebnisse der Betrachtung in Form einer Entscheidungsmatrix für Netzwerkbeschaffung wurden durch eine Unternehmensbefragung überprüft, in deren Folge ein Cluster-Lebenszyklusmodell für verschiedene Cluster- und Beschaffungsszenarien entwickelt werden konnte. Dabei zeigt sich, dass nur in zwei Lebenszyklusphasen die Beschaffungsorganisation innerhalb von Clustern gegenüber netzwerkexterner Zuliefererkontrahierung überlegen ist.
S.588-614
Freiheit durch Bindung – Zur ökonomischen Logik von Verhaltenskodizes
Markus Beckmann/Ingo Pies
Verhaltenskodizes werden in der Praxis häufig zur Lösung von Problemen eingesetzt, für die sie eigentlich nicht geeignet sind. Kodizes stellen eine freiwillige Bindung an Regeln dar. Bindungen sind vorteilhaft, wenn sie Interaktionsprobleme sozialer Dilemmata überwinden. Die ökonomische Logik von Verhaltenskodizes basiert somit auf einem Selbstbindungsargument: Kodizes schaffen Freiheit durch Bindung. Dies ist in zwei Spielarten denkbar. Individuelle Selbstbindungen überwinden einseitige Dilemmata. Mehrseitige Dilemmata erfordern jedoch kollektive Selbstbindungen. Verhaltenskodizes als Instrument individueller Selbstbindung sind daher ungeeignet, strukturelle Probleme im Außenverhältnis des Unternehmens zu lösen. Ihre Stärke entfalten sie vor allem in der Überwindung interner Koordinationsprobleme. Verhaltenskodizes sind ein strategisches Instrument für Corporate Citizenship.
S.615-645
Kontaktstudium
Wertschöpfungsstrategien in einer schrumpfenden Industrie – Das Beispiel der Glasfasernetzausrüsterbranche
Wolfgang Burr/Michael Stephan
Der vorliegende Beitrag untersucht am Beispiel der Glasfaserindustrie, welche unterschiedlichen Vorgehensweisen Unternehmen wählen können, um auf einen Umsatzrückgang von 50% innerhalb von drei Jahren in ihrer Branche zu reagieren und sich an die drastisch veränderten Marktbedingungen anzupassen. Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung ist, dass gerade in einer technologieintensiven Branche, wie der Entwicklung, Herstellung und Installation von Glasfasernetzwerken für Telekommunikationsdienstleister, Anpassung nicht nur über die Reduktion von Kosten erreicht wird, sondern auch über den Aufbau neuer Geschäftsfelder, insbesondere über das erweiterte Angebot kundennaher Dienstleistungen, und über die Differenzierung von Konkurrenten, zum Beispiel durch technologische Innovationen. Infolgedessen war zu beobachten, dass die Unternehmen der Branche trotz akkumulierter Branchenverluste von über 100 Mrd. US $ in drei Jahren den F&E-Anteil am Umsatz gesteigert haben. Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung ist, dass Komplettanbieter, die während der Branchenkrise hohe F&E-Ausgaben getätigt und neue Geschäftsfelder (zum Beispiel Dienstleistungsaktivitäten als Ergänzung zu den angebotenen Sachgütern) aufgebaut haben, die Branchenkrise besser und schneller bewältigen konnten beziehungsweise von ihr weniger stark betroffen waren. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Unternehmen, die den Anpassungsprozess an ein schrumpfendes Branchenumfeld ausschließlich über Kostenreduktion realisieren und darüber Dienstleistungs- und Innovationsorientierung vernachlässigen, auf die nach einer Branchenkrise zu erwartende Erholung der Branche schlecht vorbereitet sind.
S.646-672
Rezension
Lohse, Andrea
Unternehmerisches Ermessen – Zu den Aufgaben und Pflichten von Vorstand und Aufsichtsrat
Manuel R. Theisen, München
S.673-674