Welche Faktoren beeinflussen den Erfolg im wirtschaftswissenschaftlichen Studium?
Uwe Jirjahn
Der vorliegende Beitrag untersucht mit Daten von Studierenden aus Hannover, Paderborn und Regensburg, welche Faktoren den Erfolg im wirtschaftswissenschaftlichen Studium beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Abitur und Studienerfolg. Dies betrifft sowohl die Abiturnote als auch die während der Schulzeit gewählten Leistungskurse. Bezüglich des Elternhauses ergibt sich ein differenziertes Bild. Während ein Studium der Mutter positiv auf den eigenen Studienerfolg wirkt, verhält es sich bei einem Studium des Vaters entgegengesetzt. Darüber hinaus spielt die Zeitallokation eine Rolle. Restriktionen durch Erwerbstätigkeit sowie Probleme mit der selbständigen Zeiteinteilung beeinträchtigen den Studienerfolg, während bei einer starken Freizeitorientierung das Gegenteil der Fall ist. Schließlich lassen sich geschlechtsspezifische und altersbedingte Einflüsse nachweisen. Die bildungs- und unternehmenspolitischen Implikationen der Ergebnisse werden diskutiert.
S.286-313
Unsicherheit und der Wert realer Optionen
Timo Willershausen/Sascha H. Mölls/Karl-Heinz Schild
Der vorliegende Beitrag untersucht den Einfluss der Unsicherheit auf den Wert realer Optionen unter gleichzeitiger Berücksichtigung einer möglichen Wertänderung im zugrunde liegenden Vermögenswert (Underlying). Es zeigt sich, dass die Behauptung eines stets positiven Werteinflusses der Unsicherheit nicht aufrechterhalten werden kann, wenn sich mit einer Änderung der Standardabweichung auch der Wert des Underlying ändert. Die gängige Interpretation trifft nur dann zu, sofern die wertrelevante Rendite-/Risikorelation unbeachtet bleibt oder rein unsystematisches Risiko vorliegt. In allen anderen Konstellationen sind die Ergebnisse ambivalent.
S.314-332
Wandelanleihen als Leistungsanreizmechanismus
Marion Schulz
Während Wandelanleihen sich mittlerweile als eigene Assetklasse am kontinental-europäischen Kapitalmarkt etabliert haben, konnte die Frage nach den Einsatzmotiven für dieses Finanzinstrument noch nicht abschließend geklärt werden. Der vorliegende Beitrag greift diese Fragestellung auf und beschäftigt sich mit der Emission von Wandelanleihen zur Lösung des Leistungsanreizproblems in Unternehmen. Auf Basis von Reputationsüberlegungen wird ein agencytheoretisches Modell entwickelt, welches im Ergebnis zeigt, dass Wandelanleihen nicht nur ein Mittel zur Kapitalbeschaffung, sondern gleichzeitig ein effektives Managementanreizsystem darstellen, das alternativ oder ergänzend zu herkömmlichen Anreizmechanismen eingesetzt werden kann.
S.333-354
Multifaktormodelle zur Erklärung deutscher Aktienrenditen: Eine empirische Analyse
Andreas Ziegler/Michael Schröder/Anja Schulz/Richard Stehle
Dieser Aufsatz untersucht mit linearen Zeitreihen-Regressionen, inwieweit Multifaktormodelle nach Fama/French (1993) für den deutschen Aktienmarkt die Renditen von Aktienportfolios (sortiert auf der Grundlage des Marktwertes sowie des Quotienten aus Buch- und Marktwert) erklären können. Analog zu vergleichbar angelegten Studien für den US-amerikanischen, den kanadischen und den britischen Aktienmarkt ergibt sich, dass ein Dreifaktorenmodell, das neben der Überschussrendite des Aktienmarktportfolios zwei weitere Risikofaktoren des Aktienmarktes enthält (die sich aus dem Marktwert sowie dem Quotienten aus Buch- und Marktwert ableiten), eine höhere Erklärungskraft für die Überschussrendite von Aktienportfolios besitzt als das mit dem traditionellen Capital Asset Pricing Model nach Sharpe (1964) und Lintner (1965) kompatible Einfaktormodell. Dagegen weisen zwei Risikofaktoren des Anleihemarktes (die sich aus der Zinsstruktur und dem Ausfallrisiko ableiten) in einem Fünffaktorenmodell keinen zusätzlichen Erklärungsgehalt auf. Im Vergleich zum US-amerikanischen und britischen Aktienmarkt bildet das Dreifaktorenmodell für den deutschen Aktienmarkt die zeitliche Streuung der Portfoliorenditen etwas schlechter ab. Demgegenüber weisen die untersuchten Ein- und Multifaktormodelle für den deutschen Aktienmarkt eine bessere Kompatibilität mit dem Capital Asset Pricing Model bzw. mit erweiterten Capital Asset Pricing Models auf als für den US-amerikanischen Aktienmarkt, das heißt die Konstanten sind für die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu den USA weniger häufig und im Dreifaktorenmodell nie signifikant von Null verschieden. Bei empirischer Gültigkeit des Capital Asset Pricing Models sollten allerdings auch die Konstanten im entsprechenden Einfaktormodell nicht signifikant von Null verschieden sein. Bei Portfolios mit einem großen Marktwert oder einem hohen Quotienten aus Buch- und Marktwert ist dies aber für den deutschen Aktienmarkt teilweise nicht der Fall. Insgesamt deuten diese Ergebnisse ähnlich wie für den US-amerikanischen auch für den deutschen Aktienmarkt auf eine notwendige Erweiterung des Capital Asset Pricing Models hin.
S.355-389
Kontaktstudium
Automobilwahl online – Gestaltung des Car-Konfigurators unter Berücksichtigung des individuellen Entscheidungsverhaltens
Andreas Herrmann/Mark Heitmann/Andreas Brandenberg/Torsten Tomczak
Car-Konfiguratoren spielen bei der Spezifikation von Fahrzeugen durch die Kunden eine zentrale Rolle. Immer mehr Individuen nutzen diese Technik, um ihr Fahrzeug zu konzipieren oder einzelne Funktionen bereits vorab zu erleben. Jedoch sind diese Konfiguratoren zumeist aus Sicht der Techniker und Ingenieure entwickelt; in jedem Fall bleibt das Entscheidungsverhalten der Kunden beim Design solcher Konfiguratoren häufig unbeachtet. Auf Basis entscheidungstheoretischer Erkenntnisse lassen sich Hinweise über die kundenorientierte Gestaltung von (Car-)Konfiguratoren ableiten. In einem «real life» Experiment wurde der Audi A4 Car-Konfigurator entsprechend manipuliert. Es zeigt sich, dass von den verschiedenen Manipulationen erhebliche Effekte auf unterschiedliche Facetten der Kundenzufriedenheit ausgehen. Zudem ist die Zahlungsbereitschaft der Kunden durch die variierenden Manipulationen betroffen.
S. 355-389