Total Expense Ratio – eine empirische Untersuchung der Zusatzkosten von Investmentfonds
Franz Diboky/Jörg Finsinger
Während in den USA die Veröffentlichung der Gesamtkostenquote (Total Ex-pense Ratio) von Investmentfonds im Sinne von Informationstransparenz und Produktvergleichbarkeit üblich ist, gaben Fondsgesellschaften in Europa bis vor kurzem nur über die Höhe der Management Fee (welche ein wesentlicher, aber eben nur ein Teil der gesamten Kosten ist) Auskunft. Im Gegensatz zu bisher veröffentlichten Studien über Fondskosten, die auf den US-Markt ausgerichtet waren, untersuchen wir in Europa beheimatete Fonds und analysieren jene Faktoren, welche die „hidden costs“ beeinflussen, also den Anteil der Gesamtkosten, der den Investoren aufgrund fehlender Publikationsvorschriften bis zur schrittweisen Umsetzung der UCITS III-Richtlinien im Jahre 2004 kaum bekannt war (und zumeist noch immer kaum bekannt ist). Dabei zeigt sich, dass neben der Höhe der Management Fee vor allem das Volumen eines Fonds sowie das Sitzland und die Anlageregion einen Einfluss auf diese bislang „versteckten“, weil nicht publikationspflichtigen Zusatzkosten haben.
S.710-729
Konzernsteuerquote und Investitionsverhalten
Johannes Becker/Clemens Fuest/Christoph Spengel
Kapitalmarktorientierte Unternehmen in Deutschland orientieren sich in zunehmendem Maße an der Konzernsteuerquote. Diese unterscheidet sich in wesentlichen Aspekten von den in der Forschung gängigen Maßen der effektiven Besteuerung, die auf dem neoklassischen Investitionsmodell basieren. Dies wirft die Frage auf, ob und wie sich das Investitionsverhalten ändert, wenn die maßgebliche Größe die Konzernsteuerquote ist. Es lässt sich analytisch zeigen, dass wichtige unternehmerische Entscheidungen bei Berücksichtigung der Konzernsteuerquote anders ausfallen als im neoklassischen Investitionsmodell. Wir vergleichen die Entwicklung der Konzernsteuerquote im Zeitablauf mit anderen Maßen der effektiven Besteuerung für mehrere OECD-Länder.
S.730-742
Präferenzmessung bei unsicheren Produkteigenschaften: Risikoberücksichtigung bei Ergebnissen aus Conjoint-Analysen
Thomas Nitschke/Franziska Völckner
Kaufentscheidungen sind häufig dadurch gekennzeichnet, dass Konsumenten im Vorfeld nicht sicher sein können, was für eine Qualität sie bekommen. Diese Unsicherheit wird bislang in Conjoint-Analysen als populärster Methode zur Messung von Konsumentenpräferenzen nicht berücksichtigt. Hierdurch kann es zu erheblichen Verzerrungen bei der Ermittlung von Gesamtnutzenwerten für alternative Angebote und somit bei der Prognose von Wahlanteilen und der Schätzung von Responsefunktionen kommen. Der Beitrag stellt ein Verfahren vor, mit dem die Ergebnisse von Conjoint-Analysen um Unsicherheitsaspekte korrigiert werden können und verdeutlicht in einer empirischen Studie das Ausmaß des vermuteten „Unsicherheits-Bias“ herkömmlicher Ansätze.
S.743-770
Die arbitragefreie Adjustierung von Diskontierungssätzen bei einfacher Gewinnsteuer
Marc Steffen Rapp
Die Idee der gewichteten Kapitalkosten (WACC) für mehrperiodige Investitionsprojekte wurde erstmals 1980 von Miles/Ezzell im Kontext einer einfachen Gewinnsteuer und einem wertabhängigen Finanzierungsregime diskutiert. Wir erweitern das Modell auf Investitionsprojekte mit (i) allgemeineren Cashflow-Strukturen und (ii) ausfallbedrohtem Fremdkapital. Dazu unterscheiden wir zwischen Diskontierungsfaktoren für individuelle Cashflows und erwartete Investitionsrenditen eines Projektes. Wir leiten eine Relation ab, welche die Diskontierungssätze bei vollständiger Eigenfinanzierung mit den Diskontierungssätzen bei teilweiser Fremdfinanzierung verknüpft. Mittels eines Aggregationsmechanismuses für Diskontierungsfaktoren zeigen wir anschließend, dass die Anwendung dieser Relation auf Investitionsrenditen im Allgemeinen zu Fehlbewertungen führt.
S.771-806