Modellkonsistente Bestimmung des LGD im IRB-Ansatz von Basel II
Marc Gürtler/Dirk Heithecker
Gemäß den im Juni 2004 durch den Baseler Ausschuss endgültig verabschiedeten Kapitalstandards (Basel II) sind Kredite in Höhe des so genannten unerwarteten Verlusts mit Eigenkapital zu unterlegen. Für erwartete Verluste hat das jeweilige Kreditinstitut Rückstellungen zu bilden, wobei hier etwaige Differenzen in der Eigenkapitalunterlegung zu berücksichtigen sind. Damit die folglich relevanten Größen des unerwarteten und des erwarteten Verlusts ermittelbar sind, benötigt man für einen Kredit die Kenntnis der erwarteten Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) und der erwarteten Verlustquote bei Ausfall (LGD). Während in Basel II für die Größe PD konkrete Vorschriften zur Bestimmung vorliegen, die auf dem Kreditrisikomodell von Vasicek (1987; 1991) basieren, sind die Vorgaben zur Ermittlung des LGD noch ungenau und bilden allenfalls einen Rahmen, der für die Umsetzung zu beachten ist. Inhalt dieses Beitrags ist daher die Entwicklung einer auf dem Modell von Vasicek basierenden Berechnungsvorschrift für die Größe LGD, die den Rahmenbedingungen von Basel II
genügt und darüber hinaus eine sachgerechte Berücksichtigung von Kreditsicherheiten vorsieht.
S.554-587
Bestimmungsfaktoren des Beratungserfolges: Eine informationsökonomische Betrachtung und empirische Analyse im Handel
Alexander Haas
In diesem Beitrag erfolgt eine informationsökonomisch fundierte Analyse der Wirkungen der persönlichen Beratung im Handel, bei der kunden- und unternehmensbezogene Charakteristika der Beratungssituation explizit berücksichtigt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gewinnung von Kundeninformationen, die Vermittlung von Produktinformationen und die Vermittlung von Auswahlinformationen die kundenseitige Beratungszufriedenheit positiv beeinflussen. Als moderierende Variablen beeinflussen das Alter und Geschlecht der Kunden sowie die Produktpräsentation im Geschäft die Wirkung des informationsvermittelnden Verhaltens auf die Beratungszufriedenheit.
S.638-664
Ursachen eines Flatrate-Bias – Systematisierung und Messung der Einflussfaktoren
Anja Lambrecht/Bernd Skiera
Konsumenten können für den Zugang zum Internet zwischen Pauschaltarifen („Flatrates“) und Tarifen mit nutzungsabhängiger Abrechnung wählen. Konsumenten, die ihre Konsumentenrente maximieren, sollten den Tarif wählen, in dem sie für die gewählte Nutzungsmenge den geringsten Rechnungsbetrag zahlen. Allerdings liegt häufig ein „Flatrate-Bias“ vor. Das heißt Konsumenten ziehen Flatrates nutzungsabhängigen Tarifen vor, selbst wenn der Rechnungsbetrag der Flatrate höher ist. Der Beitrag identifiziert mit Versicherungs-, Taxameter-, Bequemlichkeits- und Überschätzungseffekt mögliche Ursachen des Flatrate-Bias und entwickelt Skalen zu deren Messung. In zwei empirischen Studien werden diese Skalen validiert und der Einfluss der Effekte auf den Flatrate-Bias gemessen. Der Beitrag zeigt, dass Konsumenten auch bei Internetzugangstarifen Flatrates systematisch vorziehen und Versicherungs-, Taxameter- und Überschätzungseffekt dafür verantwortlich sind.
S.588-617
Anpassung von Exportpreisen bei Wechselkursänderungen
Helge Löbler
Der vorliegende Beitrag untersucht den Einfluss von Wechselkursänderungen auf Exportpreise. Dabei werden verschiedene Preisstrategien, nämlich das 'pricing to market', das 'pass through' und Gleichgewichtspreise, miteinander verglichen. Es werden zwei Typen von Preis-Absatzfunktionen diskutiert, einmal linear und einmal multiplikativ. Es zeigt sich, dass die Strategie der Preisführerschaft auf der Basis von Stackelberg-Preisen eine dominierende Strategie ist, die darüber hinaus zu einem einfachen Anpassungsverhalten der Preise an die Wechselkursänderungen führt. Diese Ergebnisse werden empirisch überprüft.
S.618-637