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Presse - Pressemitteilung

Düsseldorf, 10. Juni 2010

Quote oder Freiwilligkeit?

DER BETRIEB Standpunkte – mehr Frauenbeteiligung in den Aufsichtsräten

Quote oder Freiwilligkeit?. DER BETRIEB Standpunkte – mehr Frauenbeteiligung in den Aufsichtsräten

In den Führungsgremien deutscher Unternehmen spielen Frauen praktisch kaum eine Rolle. Sie sind in deutschen Aufsichträten im Vergleich zu anderen europäischen Ländern massiv unterrepräsentiert. Ein deutlich höherer Frauenanteil an Führungspositionen, Vorständen und Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen steht daher im Mittelpunkt der geplanten Änderungen des Deutschen Corporate Governance Codex.

Brauchen wir eine harte, gesetzliche Quote oder reichen weiche, freiwillige Verpflichtungen aus, um für eine angemessene „Gender Diversity“ in deutschen Aufsichtsräten zu sorgen? Mit dieser Frage setzen sich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift DER BETRIEB vier renommierte Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis in der Rubrik „DER BETRIEB Standpunkte“ auseinander: die Rechtsanwältin und Partnerin bei Clifford Chance, Frankfurt, Daniela Weber-Ray, die Professorinnen Dr. Katja Langenbucher von der Goethe-Universität, Frankfurt, und Dr. Barbara Dauner-Lieb, Universität zu Köln, sowie die Rechtsanwältin Jella Benner-Heinacher, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. in Düsseldorf.

Daniela Weber-Ray erwartet, dass die geplanten Codex-Änderungen den Druck auf die Unternehmen erhöhen werden, die Diversität in den Aufsichtsräten im eigenen Interesse zu erhöhen: „Das Potenzial der Frauen nicht zu nutzen, hieße schlechtes Wirtschaften und eine Vergeudung vorhandener Ressourcen.“ Dies sei auf keinen Fall gute Corporate Governance, meint die Anwältin.

Wenn erkannt werde, dass Ausgewogenheit im Unternehmensinteresse liegt, werde sie sich „im freien Spiel des Wettbewerbs um die besten Köpfe“ ohnehin durchsetzen, erwartet Professor Dr. Barbara Dauner-Lieb. Sie schränkt ein, dass Studien zeigten, dass sich allein aufgrund des wachsenden Bedarfs an qualifizierten Managern der Anteil der Frauen an Führungspositionen nicht von selbst erhöhen werde. Die Vorzüge einer Quote lägen darin, dass sie „die Grundlage für die Entfaltung echter Diversität schaffen könnte.“ Nur so könne mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, es gebe derzeit nicht genug ausreichend qualifizierte Frauen. „Soweit man von einem künftigen Aufsichtsrat allerdings Erfahrungen als Vorstandsmitglied verlangt, gibt es tatsächlich kaum weibliche Kandidaten.“

Gegen starre Quotenregelungen spricht sich Professor Dr. Katja Langenbucher aus. Sie analysiert das Thema Gender Diversity im internationalen Kontext. Deutschland habe mit seinem „Mittelweg“, der auf eine Quote verzichte, aber konkrete Verbesserungen der Diversität einfordere, die richtige Richtung eingeschlagen. Die Neufassung des Codex setze auf das Reputationsinteresse der Unternehmen als Druckmittel zur Einhaltung der freiwilligen Selbstverpflichtung: „Effektivität und Erfolgsaussichten der neuen Regelung hängen freilich davon ab, dass bei der Bestimmung dessen, was ¸konkrete‘ Ziele sind, zumindest eine bestimmte Frauenquote und ein zeitlicher Rahmen für deren Erreichung als Mindestinhalte begriffen werden.“

Aus Sicht der Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V., Jella Benner-Heinacher, bieten die von der Regierungskommission umgesetzten Codex-Änderungen den Unternehmen die Chance, endlich freiwillig die Beteiligung von Frauen zu verbessern. Sie verweist jedoch auf die mäßigen Erfolge freiwilliger Regelungen in den letzten 20 Jahren und die Tatsache, dass unter den wichtigsten Entscheidern der DAX 30-Unternehmen in Deutschland praktisch keine Frauen zu finden seien. In den einflussreichen „Netzwerken“ seien sie nicht vertreten. Sollte sich daher die Situation in den deutschen Aufsichträten künftig nicht verbessern, erwartet Benner-Heinacher die Einführung einer Frauenquote via Gesetz, wie im Koalitionsvertrag der Regierung beschlossen.

DER BETRIEB erscheint jeweils freitags mit durchschnittlich 88 Seiten pro Ausgabe. Mit 22.559 verbreiteten Exemplaren (IVW, 04/09) werden wöchentlich etwa 66.000 Leser erreicht.

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DER BETRIEB
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